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Peter Schönlaub
Autor: Peter Schönlaub
peter.schoenlaub@motorrad-magazin.at
22.10.2024

Neu: KTM 1390 Super Adventure S Evo173 PS, Riesen-Display, schlaues E-Fahrwerk

Die Krone ist zurück in Mattighofen: Das derzeit stärkste Adventurebike – also mit mindestens 19 Zoll großem Vorderreifen – kommt ab 2025 wieder aus Oberösterreich: Die neue KTM 1390 Super Adventure löst damit die Ducati Multistrada V4 ab. Möglich wurde dies durch eine Übernahme der nächsten Evolutionsstufe des LC8-Motors, die wir schon aus der 1390 Super Duke R kennen – also unter anderem mit Camshift-Technologie, die eine höhere Maximalleistung mit gutem Ansprechverhalten unten sowie Vorteilen in der Emissionssteuerung verbindet.

Und natürlich gibt’s auch mehr Hubraum: 1350 statt bislang 1301 Kubik. Damit erhält die 1390 Super Adventure 173 PS bei 9500 U/min (bislang 160 PS) und ein maximales Drehmoment von 145 Nm bei 8000 U/min (bislang 138 Nm). Trotz dieses Zugewinns an Power bleibt der WMTC-Wert konstant: mit 5,7 Liter/100 km.

Verbunden ist der neue Motor mit dem innovativen AMT-Getriebe, das eine Kupplung überflüssig macht und das hier beim Evo-Modell offenbar serienmäßig verbaut wird. Geschaltet wird entweder per (elektronischem) Befehl am gewohnten Fußhebel oder via Schalttasten am linken Lenkerende. Auf Wunsch kann man die Gangwechsel auch gänzlich der Elektronik überlassen, also eine Automatikfunktion aktivieren. 

Klar ist: KTM wird von der 1390 Super Adventure eine ganze Modellfamilie ausrollen. Die heute zuerst gezeigte „S Evo“ dürfte das technologische Flaggschiff sein, dazu werden sich eine „normale“ S-Version und ganz sicher auch eine geländeaffine R-Variante gesellen. 

Nehmen wir diesmal also die 1390 Super Adventure S Evo unter die Lupe. Was man gleich erkennt, ist, dass es hier zwar viele neue Details gibt, die grundsätzlichen Proportionen aber beibehalten wurden: Raddimensionen, Federwege (200/200 Millimeter) und der Radstand sind identisch mit der bekannten 1290 Super Adventure S. Nur um zwei Millimeter niedriger liegt die verstellbare Sitzhöhe: auf 847/867 Millimeter. Und das Gewicht macht ebenfalls keine großen Sprünge: 228 Kilo fahrfertig ohne Sprit gibt KTM für die neue, üppig ausgestattete 1390 Super Adventure S Evo an – das ist um ein Kilo mehr als für die S-Version der Vorgängerin.

Völlig neu ist hingegen der Look im Detail, speziell der Scheinwerfer im komplett neu designten Vorbau sorgt für einen veränderten Auftritt. Er zeigt sich wie zu erwarten im skelettartigen Design, das bei der 1390 Super Duke R und der 990 Duke begonnen wurde; dieses fällt hier aber milder aus und dürfte für weniger Diskussionsstoff sorgen, nehmen wir an. Weiterhin wird der Scheinwerfer mit statischem Kurvenlicht ergänzt und soll zudem eine neue Referenz in Sachen Lichtausbeute sein.

Ein Eyecatcher ist außerdem das neue 8-Zoll-TFT-Display im Tablet-Look, das eine Fülle an Informationen appetitlich anrichtet, als Touchscreen ausgeführt ist und Hand in Hand mit neuen Bedienelementen am Lenker geht. Ebenfalls neu: komfortablere Sitzbänke und ein breiterer Windschild.

Als Technologie-Flaggschiff kommt die KTM 1390 Super Adventure S Evo mit einer Fülle an Hightech-Ausstattungen. Neben dem schon erwähnten schlauen Getriebe AMT ist auch eine Weiterentwicklung des semi-aktiven elektronischen WP-Fahrwerks (SAT) mit an Bord. Es soll noch schneller und präziser regeln, dank neuer Sensoren und einer innovativen Gabelkonstruktion. 

Wie das Vorgängermodell ist auch die 1390 Super Adventure Evo S serienmäßig mit einem Frontradar von Bosch ausgerüstet, allerdings in neuer (mittlerweile fünfter) Generation. Damit kann der Funktionsumfang erweitert werden, wie Bosch bereits kürzlich bekanntgegeben hat. Unter anderem ermöglicht das neue System nun nicht mehr nur wie bisher einen adaptiven Tempomaten, sondern ACC Stop & Go. Im Stau bremst das Motorrad bei aktiviertem Tempomaten also selbsttätig bis zum Stillstand und setzt sich bei einem kleinen Zupfen am Gasgriff wieder in Bewegung, beschleunigt bei freier Fahrt wieder auf das ursprünglich eingestellte Tempo. Außerdem kann der ACC nun auch bei höheren Geschwindigkeiten aktiviert werden und erkennt versetztes Fahren in einer Gruppe.

Das Motorradmagazin konnte einen seriennahen Prototypen der neuen KTM 1390 Super Adventure S Evo bereits auf einer kurzen Strecke probefahren – zu kurz, um fundierte Aussagen zu treffen, aber lange genug für einen ersten Eindruck. Dabei stand – einmal mehr – der Motor im Mittelpunkt: unglaublich, wie vehement der große V2 aus Mattighofen/Munderfing anschiebt und dabei trotzdem kultiviert wirkt, sich chirurgisch präzise steuern lässt. Es wird nächstes Jahr ein interessantes Match werden gegen Ducatis Mutistrada V4 und den Drehmomentbären von BMW.

Als äußerst gelungen erwies sich auch das AMT, nur beim Schalten mit dem Fuß hätten wir uns ein klares Feedback gewünscht, eine Art Rasterung; vielleicht gelingt dies noch bis zur Serieneinführung. Ansonsten sehen wir nach den ersten Testkilometern nur Vorteile in dem innovativen Getriebe.

Ein Fortschritt ist auch die neue Menüsteuerung durch die frisch sortierten Bedientasten; so gibt es nun einen eigenen Knopf für die Fahrmodi (rechts), für uns eine klare Verbesserung. Und das große Display ist brillant und einfach ablesbar; die Zeit, alle Menüebenen und Darstellungen zu durchforsten bzw. auszuprobieren war uns allerdings nicht gegeben. Auch die erweiterten Möglichkeiten einer Navi-Funktion mit Kartendarstellung konnten wir noch nicht testen.

Die Ergonomie – auch mit dem bekannt breiten Knieschluss – ist im Grunde vergleichbar mit dem bisherigen Modell, die Sitzbank wirkte allerdings noch bequemer, der Windschutz besser. Dies in qualitätsvoll-journalistischer Tiefe zu evaluieren wird uns jedoch erst in Kürze möglich sein. Ein erster längerer Fahrtest ist für Ende Jänner angekündigt, die Markteinführung wurde mit „Anfang 2025“ noch etwas vage gehalten. Auch der Preis blieb aktuell noch offen. Unser nächster Kontakt findet Anfang November auf der Eicma statt. Wir freuen uns drauf!

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