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Neu: Honda Africa Twin 1150Mehr Power in jetzt drei Varianten
Paukenschlag auf der Eicma! Nach elf Saisonen im Dienst wird Hondas Africa Twin gravierend überarbeitet. Dabei blieb (fast) kein Stein auf dem anderen, jeder Bereich wurde getauscht oder modifiziert. Spektakulär: Neben dem Basismodell (Africa Twin) und der Africa Twin Adventure Sports ergänzt ein drittes Modell die Familie. Vorhang auf für die Africa Twin Enduro Sports.
Beginnen wir bei der wichtigsten Veränderung, die alle drei Modelle betrifft: die Updates am Motor. Der bewährte Reihen-Zweizylinder mit 270 Grad Kurbelwellenversatz wird einmal mehr größer und stärker. Basis ist eine Erhöhung der Bohrung um zwei Millimeter, das sorgt für 57 Kubikzentimeter mehr Hubraum, der nun bei exakt 1131 ccm hält. Dies allein wäre aber noch zu wenig gewesen, um die anvisierte, deutliche Leistungssteigerung herbeizuführen. Hondas Ingenieure haben daher die Verdichtung stark erhöht (von 10,5 auf 12,1:1) und praktisch das gesamte Innenleben des Motors erneuert: Kolben, Pleuel, Kurbel- und Ausgleichswelle sowie den Zylinderkopf mit dem Nockenwellentrieb und den Ventilen.
Am Ende stehen nun mit 119 PS bei 7500 U/min um 16,5 Pferde mehr zur Verfügung als bisher. Auch das Drehmoment stieg: um sieben auf 119 Newtonmeter (bei 5750 U/min). Kurios: Honda hat den Topspeed bei 199 Stundenkilometer eingefroren, man soll daher von mehr Punch in den ersten fünf Gängen profitieren. Der sechste Gang wurde länger übersetzt, womit die Drehzahl auf der Autobahn sinkt, man gelassener unterwegs ist.
Sparsamer ja leider nicht: Der WMTC-Verbrauch mit Schaltgetriebe stieg von 4,9 auf 5,1 l/100 km. Man wird’s verschmerzen. Und das Standgeräusch ist mit 93 dBA auch konform mit den Tiroler Eigenheiten.
Kommen wir nun zum Rahmen, der ebenfalls neu und leichter ist, genauso wie die Aluschwinge. Gemeinsam sparen die beiden Komponenten 1,4 Kilo ein, was sich leider nicht auf den Endwert durchschlägt. Aufgrund der umfangreicheren Ausstattung – dazu kommen wir gleich – stieg das Gewicht sogar um ein paar Kilo an. Wir halten nun bei 237 Kilo für das Basismodell, 245 Kilo für die Adventure Sports, jeweils mit Schaltgetriebe und fahrfertig. Für die DCT-Versionen rechne man weitere zehn bis elf Kilo (je nach Modell) hinzu.
Aber Achtung: Es könnte sich trotzdem leichter anfühlen, denn Honda hat einiges unternommen, um den von uns oft kritisierten hohen Schwerpunkt zu senken. So sind die Tanks nun bei gleichen Volumina (18,8/24,2 Liter) zweigeteilt, wobei ein Reservoir unter dem Fahrersitz platziert werden konnte; weitere gewichtige Komponenten wurden ebenfalls günstiger eingebaut. Wir sind gespannt, ob man’s spürt.
Bildergalerie Honda CRF1150L Africa Twin
Kommen wir nun zum Fahrwerk: Sowohl die Africa Twin als auch die Africa Twin Adventure Sports werden nur mehr mit elektronischem Showa-Fahrwerk (EERA) angeboten. Die Federwege wurden dabei um zehn Millimeter gekürzt (220/210) und sind bei beiden Modellen identisch. Außerdem wurde die 45er-USD-Gabel gegen eine massivere 49er-Variante getauscht. Das Fahrwerk kann sich nun auch automatisch auf die Beladung einstellen (Skyhook Control) und per Knopfdruck (nicht automatisch!) um zehn Millimeter abgesenkt werden. Weiterhin bleibt die Unterscheidung des Vorderrads: Die schlankere Afrikanerin kommt mit 21 Zoll, die mächtigere mit 19 Zoll.
Ungewöhnlich mächtig ist nun auch das Cockpit. In einem gemeinsamen Rahmen werden zwei Displays integriert: eines mit 5,7 Zoll für die Basisinfos, eines mit sieben Zoll und Touchscreen, um darauf Apple CarPlay und Android Auto darzustellen – nunmehr ohne Kabelanbindung, preiset die Entwckler! Das Smartphone bekommt außerdem nun endlich ein Staufach an der Oberseite des Tanks, samt integrierter USB-C-Steckdose.
Auf den neuen, deutlich aufgeräumteren Lenkerarmaturen dürfte man sich schneller zurechtfinden, auch wenn die Funktionen komplexer geworden sind. So stehen nun sechs Fahrmodi zur Verfügung, und neuerdings lässt sich jeder davon individualisieren. Und, ebenfalls neu: Wählt man DCT, dann beeinflussen die Fahrmodi auch die Schaltstrategie des Doppelkupplungsgetriebes; dies musste man ja bislang separat einstellen.
Was befindet sich noch vor dem Fahrer? Kein klassisches Zündschloss, denn die Africa Twin 1150 kommt nun mit Keyless-System. Den Windschild kann man wiederum nun per Knopfdruck elektrisch um 130 Millimeter in die Höhe zoomen. Griffheizung, Tempomat und Handschützer sind serienmäßig an Bord.
Frisch sortiert wurde auch die Ergonomie. Der Lenker wurde schmaler, ist aber höher und weiter vorne positioniert. Die Fußrasten wiederum schmiegen sich enger ans Motorrad und liegen etwas weiter hinten. Letztlich soll auch der weiterhin verstellbare Fahrersitz (850/870 Millimeter) bequemer geworden sein.
Bildergalerie Honda CRF1150L Africa Twin Adventure Sports
Kommen wir nun zur neuen Honda CRF1150L Africa Twin Adventure Sports. Für sie gilt das bisher Geschriebene, und wie schon zuletzt unterscheidet sie sich vom Basismodell durch den größeren Tank, die höhere Scheibe mit seitlichen Deflektoren sowie das 19-Zoll-Vorderrad. Hier konnte die Sitzhöhe sogar leicht gesenkt werden: Wir halten bei 830/850 Millimeter. Dafür lässt sich das elektronische Fahrwerk auf Knopfdruck nur um fünf Millimeter absenken, nicht um zehn wie beim Basismodell.
Im Vergleich zu jenem bietet die Adventure Sports 2027 zudem ein neues E-Combined-ABS als Serienausstattung. Und wer das DCT-Modell wählt (bislang zwei von drei Käufer), der erhält außerdem „Honda Sensing Ride“ dazu. Dies sind Radareinheiten an der Front und am Heck, die eine Vielzahl an Fahrassistenten möglich machen, vom adaptiven Tempomaten bis zur Tote-Winkel-Überwachung. Man kennt das ja schon von anderen Herstellern.
Die Honda Africa Twin 1150 Adventure Sports wird im Vergleich zum Basismodell (Metzeler Karoo Street) mit noch straßengerechteren Bridgestone Battlax A41 bereift. Wie beim Basismodell ist die Ausstattung extrem üppig, allerdings mögen manche einen Hauptständer oder einen Quickshifter für das klassische Getriebe vermissen. Beides wird im Zubehör angeboten, neben diversen Gepäcksystemen, beheizten Sitzen und vielem weiteren mehr.
Bildergalerie Honda CRF1150L Africa Twin Enduro Sports
Zum Schluss noch eine weitere große Überraschung: Honda baut die Modellfamilie der Africa Twin 1150 auf drei Varianten aus. Neu hinzu kommt die CRF1150L Africa Twin Enduro Sports – eine puristischere, klar für den Offroadeinsatz ausgelegte Spielart.
Wo liegen die Unterschiede zu den beiden anderen Varianten der neuen Africa Twin? Die Enduro Sports ist die einzige Version mit mechanischem Fahrwerk. Ihre Elemente mit langen Federwegen (240/230 Millimeter) sind voll verstellbar und verschaffen der Großenduro 260 Millimeter Bodenfreiheit. Natürlich steigt dadurch auch die Sitzhöhe: 870/890 Millimeter sind es auf der flacheren, noch immer zweigeteilten Sitzbank.
Weiterer großer Unterschied: Die Ausstattung wurde reduziert. Heizgriffe und einen Gepäckträger gibt es nur als Extras. Dazu wurde die Front in einem völlig eigenständigen Design gestaltet, mit schmaleren Scheinwerfern (ohne Kurvenlicht), hoch montiertem Kotflügel und einem starren Windschild im Rallye-Design, also ohne Elektro-Verstellung. Sogar die Handschützer wurden abgespeckt, sind eigentlich nur mehr Hebelschützer. All das senkt das Gewicht um neun Kilo, die Africa Twin Enduro Sports wiegt fahrfertig ab 228 Kilo.
Richtig puristisch ist sie dennoch nicht; das neue Mega-Cockpit, Keyless, Tempomat, Fahrmodi – das ist alles weiterhin an Bord. Und sogar das DCT kann man für die Enduro Sports ankreuzen. Eine fragwürdige Entscheidung ist allerdings die Wahl der Reifen in Erstausrüstung: Auf den Kreuzspeichenrädern sind schlauchlose Metzeler Karoo Street montiert. Auf dieser Modellversion mit Offroad-Fokus hätten wir – wie auf den Pressebildern – grobstolligere Gummiware erwartet. Entsprechend auch dem lässigen HRC-Motorsrportlook und der einzigen angebotenen Farbe: Extreme Red.
