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Glocknerstraße – Durchstich 2026 erfolgt!Ab sofort für Motorräder befahrbar – mit Einschränkungen!
Text: Ulf Böhringer
Früher als in den letzten 20 Jahren können Motorradfahrer die Großglockner Hochalpenstraße samt allen Stichstraßen befahren – nämlich, mit Einschränkungen (siehe weiter unten), ab sofort. Das sagte uns der Vorstand der Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG), Johannes Hörl, am Tag des sogenannten „Durchstichs“. Mit diesem Begriff bezeichnen die „Grohagler“ den Moment, in dem sich die von der Nordseite und die von der Südseite der Alpenstraße kommenden Räumfahrzeuge begegnen.
Das war heuer am Freitag, 24. April, gegen 10.45 Uhr der Fall. Da traf der Rotationsschneepflug „Oskar“, vom Hochtortunnel kommend, auf die beiden von Norden auffahrenden Rotationsschneepflüge „Eisbändiger“ und „Jörgen“; die baugleichen Räummaschinen wurden von Ing. Franz Wallack, dem Erbauer der Großglocker Hochalpenstraße, selbst konstruiert und 1953 in Betrieb genommen. Die Frühjahrsräumung der beliebten Hochgebirgs-Panoramastraße begann heuer ungewöhnlich früh, nämlich am 7. April, und lag mit einer Dauer von 14 Tagen innerhalb des üblichen Zeitrahmens. Besonders schwierig war sie wegen eines sehr ungünstigen Schneedeckenaufbaus, weil diese die Lawinengefahr stark erhöhte; die Schneemengen des vergangenen Winters waren deutlich unterdurchschnittlich.
Wer bereits in den nächsten Tagen die Möglichkeit hat, mit dem Motorrad die Großglockner Hochalpenstraße zu befahren, wird mit tiefen Eindrücken belohnt: Zwar erreichen die Schneewände am Straßenrand aktuell nur an wenigen Stellen eine Höhe von drei Metern oder mehr, aber dafür gibt es heuer nur äußerst selten über die Straßen rinnendes Schmelzwasser; an unserem Besuchstag anlässlich des Durchstichs (mittags + 3°C, pralle Sonne, siehe Fotos) war die Straße zu 98 Prozent vollkommen trocken. Das galt auch für die recht schmale, in den Kehren nach wie vor kopfsteingepflasterte Stichstraße hinauf zur Edelweißspitze; die dort gelegene Edelweißhütte öffnet allerdings, so sagte uns der Wirt, erst am 10. Mai. Bereits geöffnet hat aber das „Fuscher Törl“.
Kommen wir kurz noch zu den oben genannten Einschränkungen: Da es in der Früh durch Schmelzwasser fallweise doch noch zu Straßenglätte kommen kann, wird der Zustand laufend bewertet und entschieden, ob die Hochalpenstraße auch für Motorrad- und Radfahrer geöffnet wird. Das kann sich also im Lauf des Tages ändern, also dass wir Zweiradler beispielsweise am Vormittag noch nicht einfahren dürfen, sondern erst bei steigenden Temperaturen am Nachmittag.
Tagesaktuelle Informationen dazu findet man auf www.großglockner.at. Bis 31. Mai ist die gesamte Straße – außer bei evtl. Wintereinbrüchen – täglich von 6 bis 20 Uhr geöffnet, letzte Einfahrt 19.15 Uhr. Die Tageskarte für Motorräder kostet 36,50 Euro, die Fahrer von E-Motorrädern zahlen vier Euro weniger. Die Folgekarte für einen zweiten Tag ist für 17,50 Euro zu haben.
Praxis-Tipp vom Motorradmagazin: Insbesondere an besucherstarken Tagen erst am (späten) Nachmittag bei wenig Bergauf-Verkehr hinauffahren, oben übernachten (vorher reservieren!) und den folgenden frühen Vormittag für ein ungestörtes Erkunden des Berges und seiner Stichstaßen auf die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und die Edelweißspitze nutzen. Vor 10 Uhr sind Übernachtungsgäste so gut wie alleine unterwegs. Die Talfahrt nach erfolgter Übernachtung erfordert keine Zuzahlung auf die Eintageskarte.
